Sicherheit und Qualität sind uns wichtig

Wir sind nach ISO 9001 und BSV-IV 2000 zertifiziert. Als gemeinnütziger Verein unterstehen wir der Aufsicht des Kantons St. Gallen.

Es freut uns, wenn Sie "Ich bin dabei - Erlebnisse aus dem Alltag" lesen. Vielleicht haben Sie sogar unser Inserat in der Tagespresse gesehen und sind gespannt, wie das aktuell veröffentlichte Erlebnis ausgeht. Auf dieser Seite finden Sie regelmässig neue Geschichten. Freuen Sie sich darauf.

Lesen Sie das aktuelle Erlebnis hier:

 

Stricktrick und Schal

Im Atelier habe ich einen neuen „Stricktrick" erlernt. Es ist ein Stück Holz mit 2 Querleisten in welche man Nägel schlägt. Mit diesem „Stricktrick" kann man Schals stricken. Die Wolle wird um die Nägel gewickelt. Diese neue Methode lernte ich, und ich habe deshalb mit Freude mehrere Schals gestrickt. Ich habe eine solche Vorrichtung in meinem Zimmer. Die Schreinerei vom Wohnheim konnte diese konstruieren. Nun mache ich bei mir solche Schals. Ich mache sie als Geschenk für die Kinder aus Rumänien. Sie werden jedes Jahr auf Weihnachten mit Geschenkpäckchen beschenkt. Ich mache diese Schals sehr gerne, so habe ich immer eine Beschäftigung.

von Susanne Jud

 

Weitere Erlebnisse:

Geburtstagskind und Murmeltier

Am 19. März: Geburtstag

Bruno wohnt in einer Männer-WG des Wohnheimes und arbeitet tagsüber in der Schreinerei oder in der Industrie. Am Feierabend um 17:00 Uhr geht er regelmässig ins Büro, um sein Taschengeld abzuholen. Bei dieser Routine erinnert er uns im Büro immer, dass er am 19. März Geburtstag hat. Das tönt dann zum Beispiel so: „Heute ist der 19. November; ich habe genau in vier Monaten Geburtstag und werde 52 Jahre alt!".

Zum Murmeltier geworden

Während diesen Ferien hat Bruno jeden freien Moment genutzt, um zu schlafen. Nach dem Morgenessen und vor den Ausflügen, nach den Ausflügen und vor dem Znacht und wieder nach dem Znacht vor den Abendmedikamenten. In der Nacht hat dann der Schlaf auch nicht gefehlt. Jeden Morgen kam er vom Zimmer herunter in den Speisesaal und teilte mit: „I ha gschlofe wie as Murmeli!". So bekam er von seinen Mitbewohnern den Kosenamen Murmeltier.

von Fulvia Moser

 

Trilogie

Erster Teil: für heute ist genug

Der Bewohner hat für mich als Mitarbeiter im Wohnheim Neufeld einen besonderen Namen, da er aus dem Kanton Graubünden stammt. Auch auf den ersten Eindruck war er für mich eine spezielle Person. Er hatte zu jener Zeit ein stattliches Gewicht, unter seinem Arbeitsschurz war dies auch gut sichtbar. Sein romanischer Akzent war wie ein Tüpfchen auf dem i. Als erste gemeinsame Arbeit mussten wir ein Kartenspiel zusammenstellen. Diese etwas monotone Arbeit musste jedoch sehr genau ausgeführt werden und forderte daher trotzdem grosse Konzentration. Nach etwas mehr als einer Stunde kam der Bewohner auf mich zu und teilte mir mit, er hätte sich für heute genug beschäftigt.

Zweiter Teil: über den Studierten

Einmal machten wir einen Ausflug in die Heuwiese. Er wollte auf dem Heimweg zu Fuss gehen, anstatt mit dem Auto zurückzufahren. Dies wurde ihm erlaubt, und ich durfte ihn begleiten. Während des Marschierens erzählte er mir einiges aus seinem Leben. Solche Momente sind für Angestellte und Bewohner gleichermassen wertvoll. An eine besondere Aussage an diesem Tag erinnere ich mich bis heute. Über einen Studierten, der ihn einst begleitete, sagte er in seinem breitesten Romanisch-Akzent: „Den kannst du ja nicht brauchen, der ist ja selber krank."

Dritter Teil: die Veränderung

Nach einiger Zeit wollte der Bewohner eine neue Herausforderung. Er fand diese dank der Unterstützung des Beschäftigungs-leiters in einem lokalen Warengeschäft. Dort arbeitet er seither den ganzen Tag als Magaziner. Den Weg zur Arbeit kann er zu Fuss absolvieren. Die Arbeit bereitet ihm grosse Freude. Zudem hat er zwischenzeitlich gut 30 Kilogramm weniger Gewicht als noch vor 7 Jahren am Anfang meiner Trilogie. Er ist heute fit und ein zufriedener Mann.

von Hanspeter Weber

 

So sehen es die Nachbarn

Sie sind einfach nicht wie wir. Sie wohnen in kleinen Gruppen in verschiedenen Wohnungen. Hin und wieder gibt es auch einen Wechsel, doch die meisten sind schon sehr lange da.

Am Nachmittag kommt noch zusätzlich eine Person dazu, die dann am Abend aber wieder geht. Die einen gehen einer Aufgabe nach, die anderen nur halb. Zum Teil sind sie etwas auffällig oder laut, vielleicht auch einfach ganz leise oder antriebslos. Einige sprechen ganz gerne mit uns, die anderen sind einfach da oder auch nicht ganz. Die einen sind ganz viel unterwegs, sei es zu Fuss, mit dem Velo oder Motorrad. Die anderen sind ganz einfach nur dann unterwegs, wenn sie einen Termin haben, sei es zum Essen, Arbeiten oder beim Arzt.

Sind sie wirklich anders? Ja – sie sind ehrlich, zeigen wie es ihnen geht und in ihnen drin aussieht. Wenn wir ehrlich sind, zieht unsereines oft eine Maske auf und dann funktionieren wir einfach! Von unseren Nachbarn können wir lernen ehrlich zu sein und uns mit dem Leben auseinanderzusetzen.

Ein Nachbar

 

Überraschung im Lager Adelboden

Ich durfte mithelfen, ein Lager für die Bewohnerinnen und Bewohner im schönen Adelboden zu organisieren. Solche Lager sind immer wieder eine gute Sache. Die Vorfreude auf ein Lager ist immer wieder gross, was sehr wichtig für uns und die beteiligten Bewohner ist.

In diesem Lager gehörte S. L. auch zu jenen Bewohnern, die mitkamen. Es ging ihm damals gesundheitlich sehr gut. Das Lager startete gut und wir machten zusammen viele Ausflüge. An einem Tag fuhren wir mit Kutschen aus. S.L. kündigte mir an, dass es noch eine Überraschung geben werde. Er sagte natürlich nicht, um welche Art Überraschung es ging, auch nicht während meinen Versuchen etwas herauszufinden.

Als die Kutschenfahrt vorbei war, war S.L. spurlos verschwunden. Damals kam er noch gut allein klar, deshalb gingen wir wieder in unser Hotel zurück.

Nach einiger Zeit kam er wieder zurück ins Hotel. Grinsend sagte er, es sei gleich so weit. Kaum gesagt, fuhr der Bus der Dorfbäckerei vor das Hotel. Sofort stand S.L. auf und sagte: „Meine lieben Leute, da Ferien ist, dachte ich, dass ein guter Zvieri dazugehöre". Gesagt - getan. Die Bäcker luden gegen 50 Crèmeschnitten aus, die S.L. sehr gerne hatte. Ich fragte ihn verwundert, woher er das ganze Geld habe. Sein Grinsen wurde noch breiter, und er meinte: „Keine Angst, das geht alles aufs Wohnheim Neufeld. Ich habe eine Rechnung gemacht und sie direkt an Hans Moser geschickt".

Alle die S. L. kannten, wussten auch, dass ihm solche Aktionen nicht Übel genommen wurden.

 

von Odette Strässler

 

Noten

Musizieren im Neufeld

Seit einem Jahr arbeite ich nun im Neufeld. Wann immer es mir möglich ist, musiziere ich zusammen mit einigen Bewohnern. Die Bewohner scheinen grosse Freude daran zu haben. Sie entdecken dadurch neue Fähigkeiten und Interessen. Ein Bewohner beispielsweise begleitet unseren Gesang jeweils mit seiner neuen Mundharmonika. Das macht ihn ausgeglichener. Ein anderer Bewohner konnte die Flöte für sich entdecken. Er spielt bloss über das Gehör, und er tut dies erstaunlich gut. Seine Freundin lobt ihn für sein Talent und dies stärkt sein Selbstvertrauen immens. Ein Bewohner mit Downsyndrom kommt durch Ländler-Gesang und Mundharmonika spielen immer mehr aus seiner sonst so verschlossenen Schale heraus. Mittlerweile hat er sogar begonnen, Klavier zu spielen, und auch er macht es gut. Noch ein anderer Bewohner kann durch das Klavierspielen und durch Gesang seine Vergangenheit besser verarbeiten, wie er selber sagt. Solche Ereignisse ermutigen mich, zusammen mit den Bewohnern, so oft es mir geht, zu musizieren.

von Yvonne Rhiner

 

Der Berg ruft, oder?

„Wenn du etwas erleben willst, dann musst du auf einen Berg steigen!", hat einmal jemand gesagt. Und so nahmen 4 Betreuer und 4 Bewohner diesen schlauen Menschen beim Wort und setzten sich das hehre Ziel: „Wir gehen auf den Alvier (2343 m. ü. M.), den morgigen Sonnenaufgang anschauen." Im Juli 2006 fuhr die Gruppe mit dem Wohnheim Bus auf Palfris, das via Weite und Oberschan in einer Stunde erreicht war. Über Sommerwiesen, herrliche Alpenlandschaft, gefolgt von felsigen Aufstiegen, z.B. das Chemi (enge Passage unterhalb Alvier) erreichten wir gegen Abend die Berghütte auf dem Alvier. Die Belohnung für den Aufstieg erfolgte durch eine nahrhafte Suppe mit Wurst und durch die dann schon wunderschöne Aussicht über die verschiedenen Täler, Berge und Landschaften. Wie geplant, übernachteten wir etwas rustikal auf dem Estrich der Berghütte und genossen das Flair der Abgeschiedenheit und Ruhe an diesem wunderschönen Ort. Und wer am Morgen als früher Vogel unterwegs war, der konnte einen sagenhaften Sonnenaufgang und eine eindrückliche Stimmung über den Bergen der umliegenden fünf Länder geniessen. Nach wiederum erfolgter Stärkung kehrten wir glücklich, wenn auch erschöpft, aber sicher alle mit vielen neuen Eindrücken ins Tal zurück und hatten genug „Futter", um die anderen mit der Begeisterung über dieses einmalige Erlebnis anstecken zu können. Und so Gott will, muss es ja nicht bei diesem einen Mal bleiben. Ich habe das Gefühl, das sollte bald einmal wiederholt werden...! Und vielleicht hat der Leser auch etwas Lust auf Bergluft bekommen...?

von Pierre Müller

Turli der Sonnenschein

Arthur ist überall als Turli bekannt. Er steht oft an der Strasse vor dem Haupthaus und winkt allen Leuten zu, die vorbeigehen oder -fahren. Er ist deshalb nicht nur unter den Neufeldern berühmt, sondern in der ganzen Räfiser Nachbarschaft. Er heisst jeden neuen Mitarbeiter strahlend willkommen. Besonders Neuanfänger haben es ihm angetan. Er informiert sie oft: „Ig acht Johr do si!" Damit will er sagen, dass er schon seit acht Jahren im Wohnheim ist. Ältere Neufelder wissen und müssen ihn immer wieder mit einem Lächeln darauf aufmerksam machen, dass er bereits seit über zehn Jahren im Wohnheim lebt. Das möchte Turli aus irgendeinem Grund nicht verstehen und kontert freundlich-beherzt mit einem Acht-Finger-Zeig.

Mit seiner besonderen Art trägt Turli und seine Mitbewohnerinnen und Mitbewohner dazu bei, dass im Wohnheim Neufeld jeden Tag die Sonne scheint.

von Fulvia Moser